Die Katastrophe nach der Katastrophe

HaitiSoforthilfe2021

Erforderliche Umwidmung der Spendengelder für die Haiti-Erdbebenopfer

Mit Erschrecken haben wir am vergangenen Wochenende davon erfahren, dass die Salesianer Don Boscos (SDB) in Haiti die Umsetzung unserer Spendengelder mit der Zustellung der Lebensmittel im Erdbebengebiet um Les Cayes nicht weiter fortsetzen können. Bewaffnete Terrorgruppen haben Teile der Versorgungswege von Port-au-Prince in Richtung Les Cayes in ihre Gewalt genommen und kontrollieren diese mit Kidnapping, Diebstahl und willkürlichen Erschießungen. Die Salesianer Don Boscos mussten die Versorgung der Erdbebenopfer einstellen, so dass unsere Spendengelder dort nicht weiter eingesetzt werden können. Nach kurzer Rücksprache mit der Koordinatorin von Don Bosco Mondo e.V. in Bonn haben wir uns entschlossen, das Angebot anzunehmen, nicht verwendete Spendengelder für die Nahrungsmittelhilfe im Straßenkinderzentrum Lakou/Lakay in Port-au-Prince einzusetzen.

Frau Ebinger, die Projektmanagerin von Don Bosco Mondo e.V., beschreibt die aktuelle Lage in Haiti:

"Die Salesianer Don Boscos (SDB) haben von ihrer Zentrale in Port-au-Prince (PaP) aus unmittelbar nach dem Erdbeben Lebensmittel in das Erdbebengebiet im Süden des Landes (Les Cayes) gebracht und eine erste Verteilung an 2.500 betroffene Familien geleistet. Darüber hinaus haben sie 700 warme Mahlzeiten für besonders betroffene Menschen über die Schulkantine ihres Berufsbildungszentrums CEDAM in Les Cayes ausgegeben. (Diese Hilfen wurden nicht mit den Nothilfegeldern aus Bonn finanziert).

Danach machten gewaltsame Unruhen, die in einer Sicherheitskrise mündeten, die weitere Umsetzung der Nothilfemaßnahmen unmöglich:

Bewaffnete Gruppen haben das Viertel „Martissant“ von PaP in Besitz genommen, durch welches auch die Hauptverkehrsachse und Ausfahrtsstraße aus der Hauptstadt in den Süden des Landes läuft. Sie kontrollieren und beherrschen die Gegend mit Waffengewalt. Während sie anfangs von Durchreisenden nur die transportierten Waren und Güter an sich nahmen, nahmen sie danach Besitz von Autos und LKWs und schreckten auch nicht vor Kidnapping und willkürlichen Erschießungen zurück. Die Straßenblockade gepaart mit der hohen Gewaltbereitschaft der bewaffneten Banden stellt ein extremes Sicherheitsrisiko dar, so dass niemand mehr diese Hauptverkehrsachse in den Süden nutzen kann (alternative Straßen gibt es kaum, diese führen über eine Bergkette, sind nicht befestigt und nach heftigen Regenfällen nicht passierbar).

Diese Situation hat dazu geführt, dass die SDB die Maßnahmen zur Versorgung der Erdbebenopfer einstellen mussten, weil sie die Lebensmittel, die alle in Port-au-Prince (PaP) eingekauft werden, nicht ins betroffene Gebiet transportieren konnten. Wie lange die Situation anhält, ist unklar.

Die betroffenen Menschen in und um Les Cayes konnten sich mit landwirtschaftlichen Produkten aus der Region versorgen und mussten somit keinen Hunger leiden, auch wenn die Ernährung einseitig war.

Nun müssen wir uns der aktuellen Situation stellen und über eine Umwidmung der Spendengelder sprechen. Gerne hätten wir die Gelder für die Erdbebenopfer eingesetzt, doch wie man sehen kann, ist dies aktuell leider nicht möglich es gilt daher zu prüfen, ob Sie mit einer Umwidmung der Spenden vom Stoppenberg für die Nahrungsmittelhilfe im Straßenkinderzentrum Lakou/Lakay in PaP einverstanden wären (nicht in Cap Haitien bei P. Stra – die Jungs dort sind – auch dank des Stoppenbergs - gut versorgt J)! Die Kinder und Jugendlichen im Straßenkinderzentrum in PaP befinden sich ebenfalls in einer hochgradig fragilen und bedürftigen Situation und die SDB haben große Schwierigkeiten, die Versorgung dieser Kinder & Jugendlichen mit Lebensmitteln zu finanzieren. Der Vorteil: in PaP sind die Lebensmittel verfügbar und müssen nicht über die Stadtgrenze hinaus transportiert werden."

Wir haben uns am Stoppenberg entschieden den Vorschlag von Frau Ebinger anzunehmen, die noch nicht eingesetzten Spendengelder für das angegebene Straßenkinderzentrum einzusetzen.

Andreas Gemlau, Hoffnung für Haiti